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Zu welchen Ereignissen diskutieren Twitternutzer zur #btw17?

TV- und andere Ereignisse werden auch in den sozialen Medien wie Twitter heiß diskutiert. Selten wird dies so offensichtlich wie in unserer Untersuchung der Tweets zur Bundestagswahl 2017.

Auf und Ab der Hashtag-Kommunikation

Wir verfolgen die Kommunikation zur Bundestagswahl seit Mitte Juni – rund drei Monate vor der Wahl. Dabei lässt sich ein tägliches Auf und Ab beobachten. Nur zwischen 23:00 und 08:00 sind kaum Tweets zu verzeichnen. So weit, so wenig überraschend.

Hin und wieder durchbricht ein Ereignis dieses Geplätscher. Als die Grünen am 21. Juli ihre Wahlkampagne vorstellten, verzeichneten wir innerhalb einer Stunde rund dreimal so viele Tweets wie zu Spitzenzeiten an den Vortagen. Unter den zehn meistverbreiteten Tweets (gemessen nach Retweets) finden sich sechs, die vom offiziellen Account der Grünen stammen.

Dieser Peak wurde eine Woche später, am 28. Juli übertroffen, als die zugelassenen Landeslisten bekanntgegeben wurden. Bemerkenswert: Von den zehn am häufigsten retweeteten Beiträgen zwischen 13:00 und 14:00, der Stunde des Peaks, drehen sich acht um die Zulassung der AfD-Landesliste NRW. Erst auf den Plätzen 11 und 12 finden sich Tweets über die Piraten.

Eine ähnlich intensive Reaktionen verzeichneten wir erst wieder am 20. August. In der Talkshow Anne Will diskutierten Christian Lindner und Alice Weidel. Die drei am häufigsten verbreiteten Tweets stammen alle vom offiziellen Profil der Talkshow – ein klarer Erfolg für das Social-Media-Team.

Am 30. August wurden diese Peaks wiederum übertroffen, als der Wahl-o-Mat online ging. Innerhalb einer Stunde verzeichneten wir über 1.000 Tweets. So wurde etwa ein Artikel der Berliner Morgenpost häufig verbreitet, welcher analysiert, welche Parteien sich in ihren Positionen nahestehen.

Dabei zeigt sich, dass Parteien die Hashtags durchaus auch instrumentalisieren, um für ihre eigenen Zwecke zu werben:

Das Kanzlerduell am vergangenen Wochenende stellt all diese frühen Peaks in den Schatten. Über 12.000 Tweets wurden zwischen 19:00 und 23:00 zu einem der betrachteten Hashtags geschrieben. Diese Zahlen belegen: Das Duell wurde nicht nur vor einem Millionenpublikum im Fernsehen gesehen. Es hat auch auf Twitter viele Reaktionen hervorgerufen. Im Gegensatz zu den Reaktionen der Zuschauer daheim vor den Bildschirmen können wir diese Reaktionen messen und auswerten.

Tausende Tweets zum TV-Duell

Schließlich belegen die Zahlen auch, wie groß die Reichweite des Mediums Fernsehen heute im Internetzeitalter noch ist. Das wichtigste Online-Ereignis – die Veröffentlichung des Wahl-o-Mat – hatte nur ein Bruchteil der Reaktionen hervorgerufen. Welche Accounts dominieren hier die Online-Kommunikation? Auf Platz 1 der am häufigsten geretweeteten Beiträge ist ein Tweet der WELT: eines klassichen Nachrichtenmediums.

Und wer hat das Duell nun gewonnen, wenn man nach den Twitter-Daten geht? Ein Indikator könnten die Partei-Hashtags sein. Diese werden von Twitternutzern eingesetzt, die über die Parteien sprechen. SPD und CDU liefern sich dabei seit Mitte August ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Zwar lag zuerst die SPD vorne, doch am 20. August konnte die CDU aufholen, ihr Hashtag wurde seitdem an den meisten Tagen etwas häufiger erwähnt als der der SPD. Das TV-Duell hat sich dort zwar lange nicht so deutlich niedergeschlagen wie in der obigen Grafik. Trotzdem ist klar: Es wurde am 3. September deutlich mehr über die #SPD gesprochen (6.441 #-Erwähnungen) als über die #CDU (3.861 #-Erwähnungen). Ein klares Bild.

Die Häufigkeit der Erwähnungen von #SPD belegt natürlich nicht, dass die auf Twitter diskutierenden Zuschauer fanden, dass Martin Schulz besser abgeschnitten hat als die Amtsinhaberin. Immerhin hat Schulz so aber seine Partei ins Gespräch gebracht. Überhaupt im Gespräch zu sein, kann für Parteien schon ein Erfolg sein – dafür spricht zumindest der CDU-Hashtag #fedidwgugl. Zwar erntete er den Spott vieler Twitternutzer. Von manchen wird die Kampagne der Agentur Jung von Matt aber als Erfolg gewertet, weil die CDU dadurch die Aufmerksamkeit auf sich lenkte.

Die zur Illustration dieses Beitrags verwendeten Tweets wurden nach objektiven Kriterien ausgewählt und spiegeln nicht die Meinung des Autors wider.